Verwendung gebietseigener Gehölze

Landschaft am Morgen

Landschaft am Morgen

Was auf den ersten Blick wie Bürokratismus klingt, ist alles andere als ein Verkaufstrick der Gärtner.
Exotische Gehölze oder Stauden sehen schön aus, können aber im heimischen Ökosystem zu Problemen führen. Der Japanische Staudenknöterich zum Beispiel wurde als Zier- und Futterpflanze in Europa eingeführt, jetzt breitet er sich immer weiter aus und verdrängt heimische Arten.

Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und regelt den Umgang mit “nichtheimischen, gebietsfremden und invasiven Arten” im § 40 des Bundesnaturschutzgesetzes. Das bedeutet jedoch nicht, dass man keine Thuja-Hecken oder Forsythien mehr pflanzen darf. Dieser Paragraph bezieht sich auf das Ausbringen von Bäumen und Sträuchern in freier Natur. Aber auch im eigenen Garten profitiert die Umwelt von der Verwendung heimischer Pflanzen.

Unterschied zwischen heimisch und gebietseigen

Nehmen wir als Beispiel für Deutschland die Stiel-Eiche (Quercus robur). Sie kommt im gesamten Bundesland vor. Wenn ich in Norddeutschland eine Eiche pflanze, die ich in Bayern oder in einem Gartencenter in den Niederlanden gekauft habe, habe ich einen heimischen Baum gepflanzt, aber keinen gebietseigenen Baum.  Als gebietseigen werden Pflanzen oder Sippen bezeichnet, die aus Bevölkerungen einheimischer Sippen stammen, welche sich über einen langen  Zeitraum – also über mehrere Generationen – vermehrt haben.

Vorteil von gebietseigenen Gehölzen

Sterndolde

Die Sterndolde liebt den Halbschatten unter Gehölzen

Den idealen Baum für meinen Garten bekomme ich, wenn ich zum Nachbarn gehe und von seinem schönsten, gesündesten Baum Samen oder Stecklinge nehme. Dieser Baum ist unter ähnlichen Bedingungen gewachsen, wie sie in meinem Garten herrschen und hat sich optimal entwickelt.

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Vermehrung der gebietseigenen Gehölze. Das Saatgut wird von ausgewählten Gehölzen gewonnen und sichert so die regionale Herkunft und beste Startbedingungen für das weitere Gedeihen. Gebietseigene Gehölze sind in der Regel weniger anfällig für Schädlingsbefall. Sie wachsen schneller und es gibt weniger Ausfälle.

Wo gibt es gebietseigene Gehölze und wie sieht die Zertifizierung aus?

Jetzt wird es kompliziert! Denn es gibt mittlerweile verschiedene Zertifizierungen, die im Endeffekt nur schwer nachzuvollziehen sind.

Die “Forstvermehrungsgut-Herkunftsgebietsverordnung (FoHg)” vergibt für eine Reihe von Gehölzen Kennziffern für deren Herkunft. Damit sind dann zwar die Herkunft des Vermehrungsgutes gesetzlich geregelt, jedoch nicht die Anzuchtbedingungen. Und eine “gebietsheimische” Eiche,  die nach der Anzucht in bestens gedüngter Blumenerde ins Moor oder in ein Sandgebiet umziehen soll, wird es nach wie vor schwer haben. Ein weiterer Nachteil ist, dass ohne DNA-Analyse keine verlässliche Prüfung der Pflanzen möglich ist.

Besser nachvollziehbar ist die „Zertifizierungsgemeinschaft gebietseigener Gehölze“ (ZgG), da hier der Betrieb und nicht das Saatgut zertifiziert wird.

Es bleibt zu hoffen, dass die Zertifizierungen in Zukunft besser nachvollziehbar und einheitlicher gestaltet werden. Denn nur so lässt sich der sinnvolle Einsatz von gebietseigenen Gehölzen auch in der Praxis umsetzen.

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