Blumen zum Nulltarif: im Spätsommer Samen sammeln

Gastbeitrag von Jürgen Rösemeier-Buhmann:

Das Samensammeln beginnt bereits im Frühsommer, etwa mit der verblühten Akelei, dem Vergissmeinnicht und später mit dem imposanten Fingerhut. Doch die eigentliche Sammelzeit ist im Spätsommer und im Herbst. Denn dann laufen viele einjährige Blumen und Stauden zu ihrer Hochform auf. Sind sie abgeblüht, dann liefern sie kostenlos und frei Haus genügend Samen, um im Frühjahr mit der eigenen Aussaat zu beginnen und mit eigenen Blumen ins neue Gartenjahr zu starten. Ideal auch für Topfgärtner.

Blumensamen gewinnen: Spaß und Vorfreude

Blumensamen gewinnt man aus nahezu jeder sortenreinen Blühpflanze. Es ist hierbei grundsätzlich wichtig, dass die Samen richtig reif sind. Dies ist meist dann der Fall, wenn die Blüten verwelkt und die Samen kurz vor dem Abfallen sind.

Syrisches Brandkraut -Phlomis, ein fast immergrüner Bodendecker.

Syrisches Brandkraut -Phlomis, ein fast immergrüner Bodendecker.

Zum Samensammeln eignen sich am besten trockene Tage. Für ganz feine Samen sollte es zudem recht windstill sein. Der „Aufbewahrungsbehälter“ muss unbedingt luftdurchlässig und einfach zu lagern sein. Denn selbst wenn man einen trockenen Tag wählt, so kann der Samenstand noch Restfeuchte enthalten, die am Ende zu Schimmel führt, wenn sie nicht entweichen kann. Ideal: Briefumschläge, Butterbrottüten und andere kleine Papiertütchen.

Manche Samenstände lassen sich ganz einfach ausschütteln – wie etwa die des Fingerhuts, des Hohen oder Patagonischen Eisenkrauts, dem Blutweidrich, der Löwenmäulchen und vieler weiterer Arten. Hierzu ist es am einfachsten, die Papiertüte oder den Umschlag vorsichtig über den Samenstand zu stülpen, diese umzudrehen und abzuschütteln. Wenn der Samenstand verblüht ist, dann schneidet man ihn einfach ab und sammelt diesen in der Tüte.

Andere Samen stecken in unterschiedlich geformten Hülsen wie jene der Duftwicke, die Erbsenschoten ähneln, der Spinnenblume oder des Rhizinus, die an eine Kastanie erinnern. Der Rhizinus platzt nach und nach auf und öffnet sich auf etwas Druck: Samentüte drunter halten und die Samen darin auffangen.
Ganz leicht lassen sich Samen von einfach blühenden Schönheiten sammeln. Einfach blühend bedeutet, im Gegensatz zu gefüllt blühenden Pflanzen, dass die Blüte nur wenige nebeneinander liegende Blütenblätter besitzt. Der reife Samenstand ist hier schnell zu identifizieren. Cosmeen, Zinnien, Sonnenblumen, aber auch Echinacea und vielen weitere Arten bilden nach dem Verblühen im Zentrum der Blüte ihre Samen aus. Sind sie reif, sind sie einfach zu lösen und abzupflücken. Für die spätere Aussaat, und um Schimmel durch feuchte Blütenreste in der Samentüte zu vermeiden, zumindest grob die verbliebenen Blütenteile entfernen. Diese schimmeln gerne im Anzuchttopf und können so zum Ausfall der Anzucht der Blumen führen.

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Tipp für die beste Samenauswahl:

Ein Schmuckkörbchen, eine Zinnie, Echinacea, Akelei oder ein Fingerhut – welche Pflanze auch immer – blüht besonders schön, wächst kräftig oder hat sie vielleicht auch noch Ihre Lieblingsfarbe?
Dann kann man die ganze Pflanze oder einzelne Blütenstände mit kleinem Band oder Gartenschnur markieren oder auch ein Schild mit Farbe oder Namen anbringen. So weiß man beim späteren Samensammeln: „Das ist mein blühender Favorit, von dem ich nächstes Jahr ganz viele haben möchte“.
Und all das aus selbst gesammelten Samen und völlig kostenlos! Und wer zu viele davon hat, kann sie mit Freunden oder auf Saatgut-Tauschbörsen gegen andere tolle Samen tauschen.
Die hier beschriebenen Pflanzen sind alle einfach in der Anzucht, wachsen unkompliziert auf der Fensterbank heran und gehören zu meinem jährlichen Aussaat-Repertoire.

Jürgen Rösemeier-Buhmann ist freier Journalist und leidenschaftlicher Hobbygärtner. In seinem Gartenblog muhvie.de gibt er einfache Tipps zum Gärtnern im Beet und auf dem Balkon. Gerade auf Letzterem ist erstaunlich viel möglich.

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