Rote Rosen im Morgentau

Rosali, Rosanna & Schneeflocke: Rosenzauber im Sommer

Keine rote Rose in meinem ganzen Garten!”, rief er, und seine schönen Augen waren voll Tränen. (Oscar Wilde, Die Nachtigall und die Rose). Ein Garten ohne Rosen geht also gar nicht – im Gartenland Britannien nicht und bei uns auch nicht. Denn irgendwo müssen sie ja alle wachsen, die rund 30.000 Rosensorten, die es weltweit geben soll. Und täglich kommen neue dazu.

Beetrose Rosali

Beetrose Rosali, 1983, Foto Birgit Puck

Der Name der Rosen

Wer in der Öffentlichkeit bekannt genug ist, erhält wohl über kurz oder lang seine persönliche Rosenzüchtung. Der Name der Rose lautet dann Freddy, Harald Wohlfahrt, Lagerfeld, Heidi Klum oder Steffi Graf.
Vermisst habe ich bei meiner Namensrecherche allerdings Beate Uhse, die bislang bei den Rosen vermutlich nicht bedacht worden ist und das, obwohl doch rote Rosen schon im Altertum als Symbol von Liebe, Freude und Jugendfrische standen. Die Rose war der Aphorodite, dem Eros und Dionysos geweiht. Die Symbolik der Rose in der Göttergunst setzt sich in der christlichen Religion dann unbeirrt fort. Im Mittelalter entstand eine regelrechte Rosen-Mystik.

Rosen spielen in einer Vielzahl von Sagen, Legenden, Märchen, Gedichten und Liedern eine Rolle: Dornröschen, Schneeweißchen und Rosenrot, Goethes Heideröslein und das Männlein im Walde, die Hagebutte als Frucht der Rose nicht zu vergessen. Als „Königin der Blumen“ hat sich die Rose also ihren Namen nicht zuletzt aufgrund ihrer Popularität redlich verdient.

Der Zögling aus der Schule

Beetrose Lilli Marleen

Beetrose Lilli Marleen, 1959, Planten un Blomen, Foto Birgit Puck

Aber woher kommen sie, die vielen Sorten, die seit dem 18. Jahrhundert emsig gezüchtet, gepflegt und vermehrt werden?

Einige stammen jedenfalls aus sogenannten Rosenschulen. Die älteste deutsche Rosenschule ist im hessischen Bad Nauheim, im Stadtteil Steinfurth, zwischen Gießen und Frankfurt zu Hause.

Die Rosenschule wurde von Heinrich Schultheis 1868 in der Wetterau gegründet. Mitte des 19. Jahrhunderts lernte Schultheis den Rosenanbau vor allem in England kennen. Mit der Unterstützung seiner Familie gelang es dem Gründer der Rosenschule, sich innerhalb weniger Jahre weltweit einen Namen zu machen. Steinfurth entwickelte sich zu dem Rosenzentrum schlechthin, was heute in Bad Nauheim – im einzigen Museum zur Kunst- und Kulturgeschichte – entsprechend dokumentiert wird.

Rosenklassen

Rosa Alister Stella Gray

Noisette-Rose, Foto Wikipedia

Bereits 10 Jahre nach Gründung bot die Steinfurther Rosenschule rund 1.500 Sorten an. Heinrich Schultheis baute große Glashäuser, um die damals beliebten „Tee- und Noisetterosen“ zu züchten. Diese fanden vor allem als Schnittrosen Verwendung. „Teerosen“ kamen bereits 1752 aus Kanton in China nach Schweden und verbreiteten sich über England nach Mitteleuropa. Woher der Name stammt ist Spekulation, zumeist wird er in Verbindung mit dem “Teeland” China gebracht. „Noisette-Rosen“, auch Rosa indica noisettiana, entstanden als erste öfter blühende Kletter-Rosen Anfang des 19. Jahrhunderts in den USA.

Teehybride Schneeflocke

Teehybride, Schneeflocke,       Foto Birgit Puck

 

 

Bei der Klassifizierung von Rosen gibt es international keine einheitlichen Bezeichnungen. Ganz grob kann man die Rosen in Wildrosen und die züchterisch selektierten Kultur- oder Gartenrosen einteilen, die Gartenrosen wiederum in „Alte Rosen“ und „Moderne Rosen“. Modern bedeutet hier allerdings zweite Hälfte 19. Jahrhundert, als die Teehybriden entstanden sind, die sich durch längere Blütezeiten hervortaten. Die Teehybriden bilden folglich die älteste Klasse bei den „Modernen Rosen“.

Eine weitere Möglichkeit, Rosen in Gruppen einzuteilen, orientiert sich an der Wuchsform und der Verwendung. Es wird z. B. in Strauchrosen, Beetrosen oder Kletterrosen unterschieden.

Rosen für den Wein

Beliebt sind Rosen nicht nur als Blickfang in privaten oder öffentlichen Gärten, sondern bei einigen Winzern auch im Weinbau. Hier kommt ihnen eine spezielle Funktion zu: Die Winzer pflanzen Rosenstöcke vor Rebzeilen, denn Rosen sind ein Indikator für den großen Weinschädling Mehltau. Dieser liebt nicht nur den Wein, sondern bevorzugt auch Rosen. Was die Sträucher für den Winzer so wertvoll macht, ist die Tatsache, dass die Rosen meist weit vor dem Wein befallen werden und er bei regelmäßiger Kontrolle geeignete Gegenmaßnahmen setzen kann.

Rose Hamburger Deern

Rose Hamburger Deern, 1997, Foto Birgit Puck

Rosengarten in Planten un Blomen

In Hamburg genießen Rosenliebhaber derzeit direkt im Herzen der Stadt die sommerliche Rosenvielfalt. Der 5.000 Quadratmeter große Rosengarten beherbergt etwa 300 verschiedene Rosensorten. Die Beete sind mit niedrigen Buchsbaumhecken eingefasst. Stählerne Rosenbögen mit blauen Rosenkugeln ergänzen die Anlage und gern pussieren darunter „Rosenköniginnen“ vor der Kamera.

 

Veranstaltungstipp im Juli: Rosenmarkt Freilichtmuseum Kiekeberg – 19.07.2014 – 20.07.2014 | Rosengarten-Ehestorf, Niedersachsen, Gartenmesse, Eintritt ca. 9.- €
Weitere Infos zum Thema Rosen: rosenmuseum.com, welt-der-rosen.de,
wikipedia.org/wiki/Liste_von_Rosensorten

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